Grasfasern aus regionalem Dauergrünland eröffnen neue Möglichkeiten für die Kunststoffindustrie. Im Forschungsprojekt Gras-to-Plast hat die Biowert Industrie GmbH gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt und der Cortec GmbH untersucht, wie sich unterschiedliche Grasarten zu leistungsfähigen naturfaserverstärkten Kunststoffcompounds verarbeiten lassen.
Biowert koordinierte das Forschungsprojekt, das von April 2024 bis Dezember 2025 im Innovationsraum BioBall durchgeführt wurde.
Neue Rohstoffquellen für AgriPlast
Mit dem naturfaserverstärkten Kunststoff AgriPlast nutzt Biowert bereits Zellulosefasern aus regionalem Wiesengras als nachwachsenden Rohstoff.
Ziel von Gras-to-Plast war es, die Rohstoffbasis um Dauergrünlandgras und Gras von kommunalen Wiesenflächen zu erweitern. Da sich die Zusammensetzung der Gräser je nach Standort, Erntezeitpunkt und Pflanzenart unterscheidet, wurden neue Verfahren zur Fasergewinnung, Aufbereitung und Compoundierung untersucht.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Verbesserung der Schlagzähigkeit und der Verarbeitungseigenschaften im Spritzguss.
Vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung
Die Untersuchungen zeigten wichtige Fortschritte bei der Verarbeitung von Grasfasern:
- Faserqualität: Dauergrünlandgras konnte zu verarbeitbaren Fasern aufbereitet werden. Die mechanischen Eigenschaften lagen auf vergleichbarem Niveau wie bei den bisherigen Standardgrasfasern.
- Verarbeitung: Neue Verfahrenstechniken zeigten Vorteile hinsichtlich Geruchsentwicklung und Ablagerungen.
- Werkzeugstandzeiten: Neue Werkzeugbeschichtungen verbesserten die Verschleißbeständigkeit bei der Spritzgussverarbeitung.
- Energieeffizienz: Ein geringerer Trocknungsbedarf ermöglichte eine Reduzierung des Energieverbrauchs.
Von der Forschung zur industriellen Anwendung
Auch die industrielle Umsetzbarkeit wurde demonstriert. Nach Angaben von TransBIB wurden im Zusammenhang mit Gras-to-Plast inzwischen rund 50 Tonnen Material verarbeitet und mehr als eine Million Spritzgussteile gefertigt.
Die Ergebnisse zeigen das Potenzial regionaler Grasfasern für technische Kunststoffanwendungen. Weitere Entwicklungsschritte betreffen insbesondere die Reproduzierbarkeit der Fasereigenschaften, die Faserlänge und die Optimierung der Compoundierung.
Forschung für eine ressourcenschonende Kunststoffindustrie
Mit Gras-to-Plast stärkt Biowert die Weiterentwicklung naturfaserverstärkter Kunststoffe und die Nutzung regional verfügbarer, nachwachsender Rohstoffe.
Das Forschungsprojekt liefert wichtige Erkenntnisse, um das Einsatzspektrum von Grasfasercompounds zu erweitern und die bestehende AgriPlast-Technologie weiterzuentwickeln.
Weiterführende Informationen:
AgriPlast – Naturfaserverstärkte Kunststoffe von Biowert
Biowert in Fachmedien und Wissenschaft
TransBIB – Gras-to-Plast und industrieller Technologietransfer